Wiederaufnahme 13, 14, 15 März 2025 Theater Thikwa Berlin
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„Grenzenlose Kreativität“ – Forschungsprojekt
Inklusives Theater als Spiegel der Vielfalt und neuer AusdrucksformenProjektbeschreibung
Mein Forschungsprojekt untersucht die kreativen Dynamiken innerhalb inklusiver Theatergruppen (Menschen mit und ohne Behinderung). Der zentrale Fokus liegt darauf zu verstehen, wie Struktur, Arbeitsweise und Beziehungen die Kreativität jedes einzelnen Teilnehmer*in sowie den künstlerischen Prozess als Ganzes beeinflussen.
Mit Struktur meine ich unter anderem die allgemeinen organisatorischen Rahmenbedingungen und die Planung der Proben.
Mit Arbeitsweise beziehe ich mich auf den künstlerischen und methodischen Ansatz – sowohl inhaltlich als auch in der Gestaltung der Probenabläufe.
Mit Beziehung meine ich die Dynamik zwischen Regie und Schauspielenden. Diese ist oft hierarchisch oder autoritär geprägt. Ich hingegen stelle mir eine Form der Zusammenarbeit vor, in der Respekt und Autorität dazu dienen, kreative Freiheit zu ermöglichen, anstatt Unterordnung zu verlangen.
Ich bin der Ansicht, dass es in einem inklusiven Kontext notwendig ist, diese Konzepte in Frage zu stellen und andere Arbeitsweisen vorzuschlagen; z.B.:
-Wie entwickelt sich ein künstlerischer Prozess, wenn alle Beteiligten – unabhängig von ihren physischen oder kognitiven Voraussetzungen – aktiv an der Gestaltung des Werks teilhaben?
– Welche Methoden und Praktiken ermöglichen einen gleichberechtigten kreativen Dialog, in dem jede Ausdrucksform als künstlerischer Wert anerkannt wird und nicht bloß als “Anpassung”?
– Welche Rolle spielt die Beziehung zwischen Regisseur und Schauspieler in diesem Zusammenhang?
– Welche Rolle spielt die Zeit bei der Entstehung einer Theaterproduktion in einer inklusiven Gruppe?
Meine Forschung entwickelt sich auf drei konkrete Arbeitsebenen, die ich versuchen werde, gleichzeitig zu bearbeiten:
1- Theoretische Forschung und Kartierung inklusiver Theaterrealitäten:
a) Analyse bestehender Ansätze und Methoden im inklusiven Theater unter Einbeziehung verschiedener akademischer und praktischer Quellen.
b) Kartierung inklusiver Theaterlandschaften in Deutschland und teilweise in Europa durch die Beobachtung ähnlicher Live-Erfahrungen, um einen echten Austausch von Wissen und Praktiken zu ermöglichen.
2- Praktische Erprobung
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Beziehung zwischen Regisseur*innen und Schauspieler*innen, die Zeit, die dem kreativen Prozess gewidmet wird, und die angewandten Arbeitsmethoden die Art und Weise verändern können, in der alle Beteiligten – mit und ohne Behinderung – ihre eigene Kreativität entwickeln und wahrnehmen. Darüber hinaus soll die Gruppe zu einem höheren Bewusstsein für ihre künstlerischen Möglichkeiten geführt werden.
Diese Forschung ist meiner Meinung nach nicht nur aus künstlerischer, sondern auch aus politischer und gesellschaftlicher Perspektive von großer Bedeutung: Einerseits ermöglicht sie es, die Dynamiken des theatralen Schaffensprozesses neu zu überdenken, andererseits bietet sie Werkzeuge für eine echte Inklusion – basierend auf der konkreten und authentischen Anerkennung unterschiedlicher Ausdrucksformen als Bereicherung und nicht als Einschränkung. Wenn diese Prozesse kontinuierlich umgesetzt werden, können sie die kollektive ästhetische Wahrnehmung verändern und zu konkreten Veränderungen in der Theaterplanung führen und mit Zeit und Ausdauer zu einer gleichberechtigteren Gesellschaft.
Für mich als Theaterkünstlerin bedeutet dieser Forschungszeitraum die Möglichkeit, meine Erfahrung weiter zu erweitern – nicht nur mit Menschen mit Behinderungen und/oder Laien, sondern auch mit professionellen Theaterschaffenden. Das Theater braucht eine Erneuerung seiner Energie, die durch die Weiterentwicklung von Methoden, die Entwicklung neuer Formate und die Einführung unterschiedlicher Ästhetiken erfolgen kann. Auf diese Weise kann das Theater ein aufgeschlosseneres und bewussteres Publikum gewinnen.Angaben zur künstlerischen Planung
Für diese Forschung ist mindestens ein Jahr intensiver Arbeit und Studium notwendig, in dem Theorie und Praxis die zentralen Pfeiler meiner Forschung bilden.M
Ich bin seit 2023 im Thikwa Club aktiv. Während meiner Ausbildung habe ich dort ein Praktikum absolviert. Danach bat mich die Regisseurin, weiterzumachen, und ich habe meine Tätigkeit zunächst völlig ehrenamtlich ausgeübt. Jetzt wird mir ein Arbeitstag pro Woche für das regelmäßige Proben des Thikwa Clubs anerkannt, das Donnerstags von 17 bis 20 Uhr stattfindet. Zusammen mit der Regisseurin Saskia Neuthe bereiten wir die Aktivitäten für den Club vor und denken gemeinsam nach. Die aktuellen Praktikant*innen sind eine große Unterstützung für die gesamte Arbeit des Clubs, aber sie bleiben nur noch zwei Monate, dann gehen sie. Meine Forschung erfordert ein vollständiges theoretisches und praktisches Engagement. Daher ist dieses Stipendium für mich besonders wichtig, um mich voll und ganz dieser Forschung widmen zu können.“